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Die Süßwasser-Zuchtperle

 

 

Süßwasserperlen werden in Seen oder kleineren Flüssen gezüchtet. Im Gegensatz zu den Meerwasserperlen haben sie meist keinen eingepflanzten Kern. Vielmehr wird die gesamte Perle von der Muschel aus Perlmuttschichten gebildet. Marktführer bei der Zucht der Süßwasserperlen ist die Volksrepublik China.

 

Süßwasser-Zuchtperlen aus Japan

Die Biwaperle

Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts errangen Japaner erste Erfolge auch bei der Zucht von Süßwasserperlen. Sie fanden im größten See Japans, dem Biwa See, statt. Doch weltweit bekannt und beliebt als so genannte Biwa Perlen wurden diese Perlen erst nach dem zweiten Weltkrieg. Bei Versuchen hatte man herausgefunden, dass man zur Zucht von Süßwasserperlen – anders als bei Salzwasserperlen – keinen Kern benötigt. Vielmehr genügt es, der Muschel Gewebeteile einer anderen Muschel einzupflanzen, um das Wachstum einer Perle anzuregen.

Das Wort Biwa-Perle wird vielfach heute noch als Synonym für die kernlose Süßwasserzuchtperle gebraucht.

Zu Unrecht: Im japanischen Biwa See gibt es seit 1990 so gut wie keine Perlenproduktion mehr. Schon in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten die Japaner auch Süßwasserperlen aus China importiert, in ihren eigenen Perlmanufakturen bearbeitet und als „Produkte aus Japan“ in die Welt exportiert. Der Preis der Perlen wurde festgelegt nach ihrer Qualität und nicht nach ihrer ursprünglichen Herkunft. Die Perlenzüchter am Biwa-See hatten zunehmend mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Der See wurde durch zu viele Perl- und Fischfarmen auf zu kleiner Fläche in seinem Gleichgewicht gestört. Außerdem kam es durch Verschmutzung des Wassers mit Chemikalien aus der Landwirtschaft immer wieder zu Muschelsterben. Als der See auch noch zum Wasserlieferanten von Millionen privater Haushalte wurde, war der Niedergang nicht mehr aufzuhalten.

Die Kasumiga-Perle

Genau wie die Naturperle ist die Zuchtperle ein natürliches Produkt. Genau wie die Naturperle entsteht und wächst die Zuchtperle im Inneren der Perlmuscheln. Die Eigenschaften von Zuchtperlen und Naturperlen, die chemische Zusammensetzung, die Härte und die optischen Eigenschaften sind gleich. Auch das spezifische Gewicht der Zuchtperlen, entspricht, wenn sie kernlos sind, dem der Naturperlen. Der Unterschied zwischen Natur- und Zuchtperle, besteht darin, dass der Mensch eingreift, um in der Muschel Bedingungen zu schaffen, die die Produktion einer Perle begünstigen. Der Muschel wird ein Gewebeteil einer anderen Muschel eingesetzt. Je nachdem, ob es sich um Zuchtperlen ohne Kern oder mit Kern handelt, wird zusätzlich zu dem Gewebeteil noch ein Perlmuttkern eingesetzt. Nachdem die Muschel vom Menschen auf diese Weise „operiert“ wurde, wird sie ins Wasser in ihr natürliches Umfeld gesetzt und über eine Periode von 2 bis 6 Jahren beobachtet und gepflegt.

Süßwasser-Zuchtperlen aus China

China Zuchtperlen

Die Volksrepublik China ist inzwischen der unumstrittene Marktführer von Süßwasser-Zuchtperlen. Die Perlen, die meist ohne Kern heranwachsen, bestehen ganz aus Perlmutt.In Aussehen, Struktur und chemischer Zusammensetzung ähneln sie damit den Naturperlen mehr als jede andere Zuchtperle.

Diese Perlen werden auch China-Zuchtperlen genannt. Manchmal hört man für Süßwasserperlen auch die Bezeichnung „Frischwasserperlen“. Dieser Begriff ist jedoch das Ergebnis einer schlechten Übersetzung aus dem Englischen. In Englisch heißen diese Perlen „freshwater pearls“. „freshwater“ korrekt ins Deutsche übersetzt bedeutet „Süßwasser“.

Geschichte

Chinesen begannen Anfang der 70er Jahre mit Experimenten zur Zucht kernloser Süßwasserperlen und bauten schnell eine große Produktion auf. Verwendet wurde die Muschel Hyriopsis cummingii. Bis Anfang der 80iger Jahre wurden die chinesischen Süßwasserperlen fast ausschließlich durch Japan vermarktet.

"Rice-crispies"

Nach dem Tod von Mao Zedong im Jahre 1976 übernahm 1978 Deng Xiao Ping die Macht. Die von ihm eingeleitete Öffnung des chinesischen Marktes und Förderung der Landwirtschaft hatte auch Folgen für die Entwicklung der Perlenzucht. Den Bauern war es nun erlaubt, einen Teil ihres Ertrages zu behalten, bzw. selbst zu vermarkten. Die Zuchtperle ist ein landwirtschaftliches Produkt und viele Farmer fingen an, Perlen zu züchten, weil sie sich davon gute Gewinne versprachen. Die Folgen waren sehr negativ. Die Farmer hatten kaum Kenntnisse, sie verwendeten zur Zucht die Muschel Cristaria plicata, die ein schnelles Wachstum von Perlen, aber keine gute Qualitäten garantiert. Die Folgen war, dass der Weltmarkt plötzlich von Perlen niedriger Qualität überschwemmt wurde. Diese Perlen wurden „rice crispies“ genannt und so sah ihre Form und runzlige Oberfläche auch aus. Dem Ruf der chinesischen Süßwasser Zuchtperle wurde damit ein Schaden zugefügt von dem sie sich immer noch nicht ganz erholt hat.

 

In den 90iger Jahren kam es zu entscheidenden Qualitätsverbesserungen. Zum Teil lag das daran, dass man zur Zucht nun wieder die Muschel Hyriopsis cummingii verwendete, aber man nun auch über bessere Kenntnisse und Ausrüstungen, um bessere Perlenqualitäten zu züchten, verfügte. Fortgesetzt wurde mit verschiedenen Muschelarten und neuen Verfahren experimentiert. Mittlerweile gibt es runde und nahezu runde Süßwasser Zuchtperlen mit wunderbarem Lüster, nahezu makelloser Oberfläche in Größen bis 15 mm.

Die Zucht chinesischer Süßwasserperlen

Zur Zucht benutzt werden in China inzwischen drei verschiedene Muschelarten. Das sind die bereits erwähnte Hyriopsis cummingii, die wegen ihrer Form im Volksmund Dreiecksmuschel genannt wird; zunehmend verwendet werden aber auch die Biwa Perlmuschel, die im japanischen Biwasee heimisch war, sowie eine Kreuzung zwischen diesen beiden Arten.

 

Man wendet drei verschiedene Methoden zur Zucht an.

•      Zucht ohne Kern nur durch Einpflanzen des Gewebeteils einer anderen Muschel

•      Zucht,in dem man der Muschel, wie die Chinesen sagen „ein zweites Leben“ ermöglicht.

•      Zucht durch Einpflanzen eines Kernes

Zucht ohne Kern

Bei der Süßwassermuschel bedarf es zur Bildung einer Perle keines Perlmuttkernes, wie bei den Salzwassermuscheln. Bereits das Einpflanzen des Gewebeteils einer anderen Muschel regt die Produktion einer Perle an. Warum das so ist und wie genau es funktioniert, weiß man nicht. Man kann in einer Muschel auf diese Weise bis zu 32 Perlen züchten. Es werden in den Mantel jeder Perlenschale 12 bis 16 kleine Schnitte gemacht, in die jeweils ein kleines Gewebeteil von etwa 3 mm Größe gesetzt werden. Dieser Eingriff ist für die Muschel bei weitem nicht so belastend wie das Einsetzen eines Kernes bei den Salzwassermuscheln.

Die Muschel kann im Alter von 6 - 12 Monaten zur Zucht verwendet werden. Sie ist dann 7 - 9 cm groß. Das Wachstum der Perle dauert in der Regel 3 bis 5 Jahre, manchmal aber auch bis zu 7 Jahren.

In dieser Zeit bilden sich in einer Muschel Perlen verschiedener Größen, Formen und Farben.

Zucht durch ein „zweites Leben“ der Muschel

Einige der Muscheln werden nach der ersten Ernte erneut zur Zucht verwandt Der Farmer hat die Möglichkeit, beim zweiten Mal, die Muschel einfach ins Wasser zurückzusetzen, ihr ein zweites Leben zu schenken und zu warten. In dem bereits vorhandenen Perlsack der Muschel scheiden die Epitelzellen weiter Perlmutt aus und bilden eine neue Perle. Allerdings entstehen auf diese Weise mehr barocke und kaum runde Formen. Die Farmer nennen diese Perlen fälschlicherweise Keshiperlen.

Zucht durch Einplanzen eines Perlmuttkerns

Seit Anfang 2000 züchten die Chinesen auch Süßwasserperlen mit Perlmuttkern. Ziel ist wohl, mit über 11 mm großen, runden Perlen den Südseeperlen Konkurrenz zu machen.

Die Zucht findet in mehreren Stufen statt.

Verwendet werden hierzu 3 bis 4 Jahre alte Muscheln, die dann eine Größe von 14 x 19 cm haben. In einem ersten Schritt wird ein etwa 11 x 5 mm großer münzförmiger Perlmuttkern zusammen mit dem Gewebeteil einer anderen Muschel in den Muschelmantel eingesetzt.

Zwei Jahre später, wenn die Muschel 5 - 6 Jahre ist, wird geerntet. Nun erfolgt der entscheidende Schritt: Der Muschel wird in den vorhandenen Perlsack ein runder Perlmuttkern von 9 - 12 mm eingesetzt. In zwei Jahren kann daraus eine Perle von einem Durchmesser von 11 - 15,5 mm wachsen.

Die auf diese Weise gezüchteten Perlen sind jedoch bisher meist nicht rund, sondern barock. Sie werden oft „fireball“ genannt, weil ihre Form - ein rundlicher Körper mit Schweif - an einen Meteor erinnert.

 

 

 

 

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